Die Basketballnerds: André Voigt und Jan Hieronimi im Gespräch

Viele von uns bei der BG sind der Meinung, dass wir absolut verrückt nach Basketball sind. Wir trainieren mehrmals die Woche, zocken auf dem Freiplatz oder an der Konsole und hauen uns die Nächte mit NBA Basketball um die Ohren.

Doch schaut mann über den Kaarst-Büttgener Tellerrand, merkt man, dass es immer noch etwas verrückter geht. Das zeigen die Beiden, die ich Euch heute näher vorstellen möchte: André Voigt und Jan Hieronimi. Sie zählen zu den Gründern des Basketballmagazins FIVE und haben daneben noch weitere spannende Basketballprojekte an den Start gebracht.

Über alles und noch mehr habe ich mit den Nerds gesprochen - viel Spaß beim Lesen:

Hallo Basketballnerds - hallo André, hallo Jan. Ich weiß, dass viele aus der BG Eure Namen aus dem FIVE Magazin kennen, aber nicht die Personen, die hinter den Artikeln und dem Magazin stecken. Könnt Ihr Euch kurz vorstellen? Wie seid Ihr zum Basketball gekommen und woher kam die Idee das FIVE Mag mit zu gründen?

Dré: Ich hab als ordentlicher deutscher Junge natürlich erst mal mit Fußball angefangen. Wollte so werden wie Pierre Littbarski. Irgendwann brach ich mir aber in der C-Jugend zweimal in einer Saison den Arm und hab den Anschluss verpasst. Also suchte ich einen neuen Sport und da ich damals schon recht groß war, sprach mich der Abteilungsleiter des VfL Wolfsburg, der gleichzeitig mein Erdkundelehrer war an, ob ich nicht in die Basketball AG kommen wolle. Ansonsten gäbe es nämlich eine sichere Fünf in Geographie. Also fing ich an, merkte, dass ich damit gut zurecht kam und begann mit 15 Jahren beim VfL. Danach ging es dann für ein Jahr an eine US-Highschool, in die Landesliga Herren, nach Wolfenbüttel in die zweite Bundesliga und schließlich nach Köln. Journalist wollte ich schon immer werden, deshalb auch die Entscheidung für die Sporthochschule in Köln, aka Spoho. Irgendwann ging dann alles sehr schnell. Bin noch im Studium nach England, dort wurde ich nach einem Monat zum Chefredakteur der XXL Basketball ernannt, zurück nach Deutschland, wo ich als Freier Redakteur arbeitete und schließlich kam die Idee zur FIVE. Basketball-Deutschland fehlte der Journalismus, den Jan und ich aus den USA kannten. Den wollten wir zusammen mit Grafiker Marc Propach, der damals den entscheidenden Impuls gab, und Sven Simon verwirklichen.

Jan: Ich bin erst mit 16, 17 Jahren zum Basketball gekommen - davor war es eher ein beiläufiges Interesse, jump ran gucken, NBA Live spielen. Dann ging es mit ein paar Freunden auf den Freiplatz um die Ecke, später sind wir sogar in einen Ruderverein eingetreten, weil dort eine komplette Halle ungenutzt herumstand, in der wir jeden Tag gespielt haben. Damals - so um 1996 oder 1997 - habe ich auch begonnen, so ziemlich jedes NBA-Spiel zu gucken. Seit ich 18 bin, spiele ich im Verein, und habe mich aus der Kreisliga hoch in die Oberliga gearbeitet. Und nach dem Abitur ging es dann auch beruflich in die Basketballrichtung, über ein Praktikum und einen Job als Freier Mitarbeiter. So habe ich dann auch Dré kennengelernt, und im Frühjahr 2003 begannen wir gemeinsam mit Sven und Marc, unsere wilden Idee von der FIVE umzusetzen.

 

Abgesehen vom Magazin, habt Ihr Zwei ja noch weitere Projekte ins Leben gerufen. Da wäre zum einen der "Got Nexxt"-Podcast. Ist der Podcast für Euch die logische Folge, neben dem Magazin noch mehr über Basketball und die NBA zu berichten? Was sind Eure Themen im Podcast?

Jan: Der Podcast war schon seit drei oder vier Jahren eine Idee. Aus unserer Sicht ist es die logische Fortsetzung, wie du schon sagst, von all den anderen Dingen, die wir in der FIVE machen. Als Monatsmagazin können wir dort ja auf tagesaktuelle Fragen kaum eingehen. Auf Facebook und auf der FIVE-Website hat sich inzwischen eine richtige Community entwickelt, die den Podcast gemeinsam weiterbringen. Obwohl ich ja wirklich nur als Gast-Moderator beteiligt bin, machen mich die vielen Downloads und die eifrige Beteiligung wirklich stolz.

Dré: Ja, das war eine wahnsinnig tolle Idee, das alles in der Freizeit zu machen … Meine Freundin freut sich … Im Ernst: Wie Jan schon sagte, füllt Got Nexxt eine Lücke. Ich selber höre eine Menge Podcasts mit verschiedenen Themen. Für mich ist der Podcast das perfekte Medium, um sich Inhalte mitzunehmen. Egal ob im Auto, beim Joggen, etc. Außerdem ist das Format aktuell und extrem interaktiv. Vor allem, wenn ich Fragen der Hörer beantworte. Thema kann alles sein. Während der NBA-Finals 2011 etwa saß ich nach jeder Partie morgens im Frühstücksbereich meines Hotels und nahm die nächste Folge auf. Da hab ich jedes Spiel analysiert, erzählt was im Training passierte, etc. Während der Saison gehe ich außerdem auf aktuelle Geschehnisse zeitnah ein. Mittlerweile werden die einzelnen Folgen bis zu 50.000 Mal heruntergeladen. Für mich ist das absoluter Wahnsinn, immerhin eilt mir der Ruf voraus extrem schnell zu sprechen, aber irgendwie scheint das niemanden zu stören.

 

Euer neuestes Projekt heißt "Planet Basketball" und ist jede Menge spannender Lesestoff. Was kann den Leser Eures Buches erwarten? Wie lange habt Ihr daran gearbeitet? Was bedeutet dieses Buch für Euch?

Jan: Viele Fragen auf einmal. Also, auch die Idee für das Buch hatten wir schon ewig, so wie man eben immer sagt: Eines Tages besteige ich mal den Everest. Wir haben vor 1,5 Jahren gemerkt, dass wir beide den gleichen Everest besteigen wollten. Prompt haben wir mit der Arbeit begonnen. Wir wollten von Beginn an ein episches Buch, in dem wir die wichtigsten Spieler der Gegenwart und Vergangenheit beleuchten. Für die Stars der Neuzeit wollten wir die besten unserer Geschichten aus der FIVE zusammenstellen, um daraus ihre Karrieren nachzuzeichnen. Wie wurden sie einmal wahrgenommen? Wie haben sie sich entwickelt? Darum haben wir die Geschichten kommentiert und unsere persönlichen Erinnerungen einfließen lassen. Das gilt für die goldenen Kinder ebenso wie für die Sorgenkinder - Gilbert Arenas, Allen Iverson und Co. Zudem findet ihr in unserem Buch ausführliche Geschichten über die Legenden der Achtziger und Neunziger. Und ein besonderes Schmankerl ist das Intro-Kapitel, in dem sich zahlreiche aktive Ex-Spieler, Medienvertreter, Fans und wir beide erinnern, wie wir zu den NBA-Fans geworden sind, die wir sind. Stephan Baeck auf Rollschuhen, Niels Jäger bei der Urkundenfälschung, die Geschichten hinter "jump ran" von Lou Richter, Marvin Willoughbys Geschichte aus dem Hamburger Potenzialviertel an die Seite von Dirk in Würzburg ... das war auch für uns super interessant.

 

Wie läuft eigentlich so ein Interview mit einem NBA Star ab? Könnt Ihr uns einen kleinen Vorgeschmack auf Euer Buch geben? Vielleicht eine Anekdote aus Euren Interview-Reisen?

Dré: Das hat immer damit zu tun, in welchem Rahmen das Interview zustande kommt. Die Gespräche in der Kabine vor oder nach Spielbeginn sind nicht sehr ergiebig. Da geht es um tagesaktuelle Fragen, und es gibt 20 andere Journalisten, die O-Töne brauchen. Beim Shootaround oder nach dem Training gibt es eher Gelegenheiten, sich mal abseits hinzusetzen, und länger zu sprechen. Über die Sponsoren gibt es auch des öfteren Gelegenheiten für solche Interviews - in dem Fall sitzt du mit zwei, drei Kollegen in einem Hotelzimmer, und für zehn Minuten werden die Stars reingeführt. Dann hoffst Du, dass die anderen Kollegen keine doofen Fragen stellen und damit Zeit verschwenden. Telefon-Interviews sind ebenfalls nicht selten, auch wieder nicht so einfach, weil manchmal im Hintergrund das Kind quengelt oder ein spannendes Spiel im TV läuft. Und zuletzt gibt es noch das All-Star-Weekend, wo sich Hunderte internationaler Schreiber an runden Tischen zusammenrotten, und ihre Fragen 30 Minuten lang durcheinander rufen dürfen. Bei den Top-Spielern bricht da immer das Chaos aus.

Jan: Und Interview-Anekdoten? Da gibt es Hunderte. Wie Allen Iverson im Gespräch anfing, Dré zu interviewen, wie alt er ist, ob er noch spielen kann usw. Wie Hubie Brown eine Pressekonferenz um fünf Minuten verlängerte mit den Worten "let the kid ask his question", weil sich da noch so ein Milchgesicht namens Jan Hieronimi meldete und noch was fragen wollte. Wie Gilbert Arenas nach seinem ersten All-Star-Game mit einem Rucksack aus der Halle ging, in der sein Morgenmantel, sein Namensschild, so ziemlich alles mit dem All-Star-Logo darauf, verstaut war. In unserem Buch gibt es hinten ein kleine Sammlung an Anekdoten, z.B. aus New Orleans, wo Dré uns in ein ehemaliges Hurenhaus einbuchte, das heute als billiges Hotel läuft ...

Dré: Hey, bis auf die Kakerlake im Bad und den Crack-Typen war das ein 1A-Etablissement!

 

Welcher NBA Star hat Euch wirklich überrascht bei einem Interview? Welche war der coolste und welchen würdet Ihr nicht nochmal besuchen?

Jan: Überrascht, das war bei mir Brandon Roy. So etwas von geerdet und nett - eine echte Ausnahme. Nie wieder interviewen würde ich Jason Williams, der mir 2003 mein Fan-Herz gebrochen hat - ich fand ihn immer super, er findet Journalisten leider total scheiße. Und Dré sagt jetzt Damon Jones und Adam Morrison.

Dré: Damon Jones und Adam Morrison. Letzterer war bei unserem Interview während des All-Star-Breaks sowas von desinteressiert und langweilig - und das, nachdem wir vorher mit echten Superstars wie Tracy McGrady und Kevin Garnett richtig angeregte Gespräche hatten. Damon Jones hat uns bei einem Interview nach seinem Style mal ganz mies auflaufen lassen. In beiden Fällen nicht schade, dass sie nicht mehr in der Liga sind.

 

Nochmal zurück zum "Planet Basketball". Ihr denkt beim Verkauf dieses Buches an Solidarität in der Gesellschaft, indem Ihr einen Teil des Verkaufserlöses an die Organistation "Basketball Aid" weitergebt. Was macht "Basketball Aid" und warum ist es dort gut angelegtes Geld?

Dré: Als ich von Basketball Aid erfuhr, bin ich dem Verein beigetreten und als Planet Basketball fertig war, war mir klar, dass wir damit auch etwas Gutes tun sollten. Krebs kann jeden treffen, Krebs tötet Menschen, zerstört Leben auf vielerlei Arten. Ich habe mich im ersten Semester mal von der Stefan Morsch Stiftung an der Spoho typisieren lassen. Damals noch so richtig mit Blutabnehmen etc. 2011 wurde ich dann als passender Knochenmarkspender für einen Leukämiekranken identifiziert. Meine Spende ging an einen Mann in Ungarn, mehr weiß ich leider noch nicht. So eine Spende ist keine große Sache, trotzdem lassen sich viel zu wenig Menschen registrieren. Für mich ist das völlig unverständlich. Dass Krebs jeden treffen kann, musste ich Ende 2011 dann selbst erfahren, als bei meiner Mutter ein Tumor in der Brust diagnostiziert wurde. Da schießen dir Gedanken durch den Kopf, die du vorher nie hattest, nie haben wolltest. Gott sei Dank lief alles so gut, wie es nur irgend laufen konnte und meiner Mutter geht es wieder sehr gut.

 

Dirk Nowitzki lobt Euer Buch in den höchsten Tönen. Dirk ist für viele junge, deutsche Spieler das absolute Vorbild. Wie habt Ihr die Finalserie Dallas gegen Miami verfolgt? Wie sehr freut Euch dieser Finalsieg für Dirk? Oder ist er für Euch nur ein Topstar in der Liga ohne den besonderen Bezug durch das gemeinsame Heimatland?

Dré: Nun, ich war ja die kompletten zwei Wochen in den USA und immer der Erste, der mit Dirk nach den Spielen oder Training sprach. Mein Kumpel Markus Krawinkel brauchte O-Töne für Sport1 und da er filmen musste, nahm ich das Mikro. Wie sehr ich mich über den Sieg der Mavs gefreut habe? In Miami saßen wir auf einer Pressetribüne, an der so provisorische Tische angebracht waren. Beim Comeback in Spiel zwei habe ich mich – wie sonst nur im Fußballstadion – so nach vorne gelehnt, dass ich um ein Haar in den Unterrang gestürzt wäre. Als Dirk dann die Trophäe in den Händen hielt, das ging mir nah. Immerhin hatten wir genau zehn Jahre vorher in Dallas zum ersten Mal miteinander gesprochen. Diese Karriere so nah erleben zu dürfen, mit ihm so oft sehr offen zu sprechen, das sehe ich als Privileg. So ging es aber allen Medienvertretern die die gesamten Finals über dabei waren. Das waren ja auch nur sieben Mann. Das war wie eine Klassenfahrt – nur dass Dirk halt nicht bei uns im Hotel geschlafen hat.

 

Wie sehr hat Euch eigentlich das Thema NBA Lock-Out geärgert oder beschäftigt? Und wie sieht die Saisonvorbereitung bei André und Jan aus?

Dré: Sport ist Business, nicht nur in den USA, sondern auch hier. Deshalb hat es mich nicht nur geärgert, dass es so lange gedauert hat mit einer Einigung, die am Ende dann nicht viel Neues brachte, sondern auch, dass hierzulande so viel Mist geschrieben und erzählt wurde. In den USA herrscht ein anderes System. Dort sind die Teams Franchises, keine Vereine. Die Spieler und Besitzer sind nicht raffgieriger als Fußballprofis hierzulande. Was meine Vorbereitung angeht … Als Trainer muss ich ja die Arbeit meiner Oberligatruppe planen. Das macht Spaß, vor allem, wenn mal die neuesten Ideen in Sachen Trainingslehre ausprobiert werden.

Jan: Da ich noch spiele, ist meine Saisonvorbereitung eigentlich das Übliche: Zocken und joggen in der Offseason, um fit zu bleiben. Vielleicht ein, zwei neue Moves testen. Ich spiele in einer ziemlich entspannten Mannschaft, wo es keine intensive Vorbereitung mehr gibt ... so spielen wir auch.

 

Etwas, worüber wir noch nicht gesprochen haben, ist das T-Shirt, dass man auf Eurer Homepage kaufen kann. Wer hatte die Idee und wer hat es desinged? Gibt es bald eine basketballnerds.de-Collection?

Jan: Die Idee kam - glaube ich - von mir. Ich kritzele schon seit Jahren Ideen in ein kleines Buch, von denen wir vielleicht ein oder zwei noch umsetzen könnten. Das aktuelle Design stammt jedoch von unserem Grafiker Marc. Wie ihr vielleicht wisst, handelt es sich um das Cover für das Nachfolger-Buch, Planet Basketball 2, das wir irgendwann in 2012 schreiben wollen. Das Design fanden wir so super, dass wir die Pläne vom eigenen Shirt sofort umsetzen wollten. Eine Kollektion wird es nicht geben - da fehlt die Expertise und die Zeit. Aber wenn wir lustige Ideen haben, die sich schön umsetzen lassen, dann bringen wir nochmal ein Shirt heraus. Wichtig ist uns, dass das wirklich Shirts für basketballnerds sind. Insider-Shirts, die keiner versteht, der nicht weiß, wie ein Pick-and-roll verteidigt wird.

 

Eine letzte Frage noch zum Schluss: Wer von Euch gewinnt im 1 gegen 1?

Dré: Ich.

Jan: Ich.

Dré: Haben wir noch nie ausgespielt.

 

Euch Beiden vielen Dank für das Gespräch!

 

So liebe BG'ler, falls Ihr das Gespräch interessant gefunden habt, dann werdet Ihr das Buch lieben! Im Ernst, ich habe es mir gekauft und die ersten 200 Seiten am ersten Abend verschlungen! Alle, die interessiert sind, können auf http://www.basketballnerds.de die Bestellung abgeben und auch noch mehr über die und von den Basketballnerds lesen.

 

Kai Achternbosch

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